
Steile Wege beginnen selten im Gelände.
Sie beginnen dort, wo die eigene Schwerkraft schwerer wiegt als jeder Berg.
Man muss die Erdanziehungskraft überwinden — nicht die physische,
sondern jene unsichtbare Kraft, die aus Meinungen, Erwartungen, Zwängen besteht.
Sie macht selbst eine Ebene zu einem fast unüberwindbaren Hang.
Denn die Landschaft des Lebens ist nicht geologisch, topografisch,
sie ist sozial, mental, symbolisch.
Berge und Täler, Flüsse und Seen sind das Normale.
Doch die inneren Hindernisse sind die eigentlichen Steigungen.
Wir alle bewegen uns durch geneigte Räume, manchmal allein, manchmal als kollektiver Aufstieg, als ob das Sein selbst eine Wanderbewegung wäre.
Fast alles ist Übergang.
Jeder Schritt ein Versuch, Balance zu halten zwischen dem Persönlichen und dem Gemeinsamen, zwischen Bewegung und Stillstand.
Und dann die Frage:
Was erwartet uns oben?
An der Spitze eines Unternehmens, in einem hohen Amt, im Reichtum?
Vielleicht ist der Gipfel nur ein Aussichtspunkt für die eigene Leere.
Vielleicht hat der Bettler keinen steilen Weg, weil er nichts erklimmen muss, um glücklich zu sein.
Der Volksmund sagt: „Schnell hoch hinaus und noch schneller herunterfallen.“
Vielleicht ist das Fallen nur die Erinnerung daran, dass Höhe kein Wert ist, sondern eine Perspektive.
Die wahren steilen Wege führen nicht nach oben, sondern nach innen — dorthin, wo man die eigene Schwerkraft erkennt und trotzdem weitergeht.