
Während die meisten Menschen den Abend als Ende des Tages sehen, ist er für manche der Beginn einer anderen Art des Sehens.
Die Geräusche werden leiser, die Konturen weicher, und Gedanken, die tagsüber im Hintergrund blieben, treten hervor.
Dann zeigen die Dinge oft ihre „andere Seite”,
Vielleicht ist die Nacht sogar die größte Vermittlerin zwischen Innen und Außen.
Sie verbirgt vieles und macht gleichzeitig anderes sichtbar.
Ein Tor ist nicht nur Architektur oder eine Verbindung, sondern eine Schwelle.
Es ist der Eingang zu Aspekten des Menschen selbst, vielleicht Erinnerungen, Erfahrungen, Fragen und Möglichkeiten, die sich im Inneren begegnen,
zu Masken, Rollen oder Identitäten, die wir im Laufe des Lebens tragen.
Technische und geometrische Strukturen könnten die Ordnungen sein, die wir erschaffen haben, um die Welt zu verstehen.
Doch ein Tor führt tiefer, dorthin, wo keine Erklärung mehr genügt und Selbsterkenntnis beginnt.
Ein Tor ist nicht leer.
Es ist bevölkert.
Das eigene Sein erscheint nicht als einsamer Raum, sondern als lebendiges Geflecht aus Begegnungen, Erinnerungen, Erfahrungen und Potenzialen.
Menschen gehen ein und aus, Spuren hinterlassend.
Könntedas Tor sprechen würde es sagen:
“Wer durch mich hindurchgeht, findet keine neue Welt.
Er findet die Welt, die bereits in mir wohnt.”
Tore haben zwei Wege.
“Das Tor öffnet sich nicht nur nach außen. Es öffnet sich auch nach innen.”
Ein Tor ist Ort und Raum zugleich, hat keine Tür, ist offen.
Etwas was einem durchlässt.
Ein Tor wirft auch Fragen auf.
Wer bin ich, wenn ich alle Rollen, Erinnerungen, Erwartungen und äußeren Verbindungen durchschritten habe?
Und genau deshalb bleibt das Tor geöffnet.
Es lädt nicht zum Ankommen ein, sondern zum Eintreten, zum Durchpassieren.🌿