Wanderer und Schatten

Wir haben eine bunte Welt, in der fliegende Wesen, Fledermäuse, Insekten mit vielerlei Gestalten zusammentreffen.

Licht und Schatten.

Libellen- oder Wespenköniginnen geflügeltes Wesen, in der Grenzlandschaft zwischen Luft und Erde, Mensch und Tier, Wirklichkeit und Traum.

Einst lebten zwei Wanderer im Tal der fliegenden Schatten.

Sie waren unermüdlich unterwegs und glaubten, dass alles Wichtige am Boden liege.

Deshalb blickten sie selten nach oben.

Über ihnen herrschte die Himmelsbotin, eine große Libelle mit durchsichtigen Flügeln.

Sie sah, dass die Wanderer immer hastiger wurden.

Jeder wollte den anderen überholen, jeder wollte zuerst ans Ziel gelangen.

Da ließ sich die Himmelsbotin zwischen ihnen nieder.

„Wohin eilt ihr?“, fragte sie.

„Zum Ende des Weges“, antwortete der erste Wanderer.

„Zum Anfang eines neuen Weges“, sagte der zweite.

Die Libelle lächelte.

„Dann sucht ihr beide dasselbe.“

Die Wanderer verstanden nicht.

Plötzlich verdunkelten Fledermäuse den Himmel.

Kleine Insekten flohen durcheinander.

Die beiden roten Wanderer bekamen Angst und wollten davonlaufen.

Doch die Himmelsbotin breitete ihre Flügel aus.

„Seht genau hin.

Die Schatten jagen euch nicht.

Sie folgen nur ihrer Natur.“

Da blickten die Wanderer zum ersten Mal wirklich in den Himmel.

Sie sahen, dass jede Fledermaus ihren Platz hatte, jedes Insekt seine Bahn flog und sogar das größte Durcheinander Teil einer unsichtbaren Ordnung war.

Von diesem Tag an gingen die Wanderer langsamer.

Sie schauten öfter nach oben und bemerkten Dinge, die ihnen zuvor verborgen geblieben waren.

Sie hatten gelernt, daß nicht jeder Schatten eine Bedrohung ist.

Wer nur auf seinen Weg starrt, übersieht die Zusammenhänge, die ihm Orientierung geben könnten.

Wer nur vorwärts eilt, verliert den Blick für das Ganze.

Erst wer innehält, erkennt die Ordnung im scheinbaren Chaos.

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