
Vieles im Leben meint man später machen zu können.
Das aktuelle Geschehen, die Alltäglichkeiten lassen oft Wünsche, Träume nicht zu.
Vielleicht ist ein „später“ nur eine Ausrede, ein Vorwand?
Nicht alle Wege sind leicht zu begehen,
und deswegen setzt man Prioritäten und verschiebt Dinge, die sich später eigentlich als wichtig herauskristallisieren.
Manche Wege tragen weiches Licht, andere schaben an den Kanten der Seele.
Einige öffnen sich wie von selbst, andere verlangen, dass man stehen bleibt, atmet, nicht weitergeht, obwohl nichts einlädt.
Es gibt Wege, die uns prüfen, Wege, die uns verwandeln, Wege, die uns erst im Rückblick begreifen lassen, warum sie so rau waren.
Und doch:
Jeder schwere Weg hinterlässt Spuren der eigenen Stärke, selbst wenn man sie erst viel später erkennt.
Die Stelle, an der das Leben oft am empfindlichsten ist:
Das ist das zwischen dem Wollen und dem Tun, zwischen dem Jetzt und dem Später,
zwischen dem Weg, den man sieht – und dem, den man nicht zu gehen wagt,
und es verleitet zu einem “später”
Verschieben, Wegdrücken, Verdrängen sind oft elegante Worte für dieselbe Bewegung – ein leises Zurückweichen vor dem, was eigentlich ruft.
Wir erzählen uns Geschichten vom „später“, weil das “Jetzt” zu laut, zu voll, zu fordernd ist.
Der Alltag frisst Träume mit kleinen Bissen, kaum merklich, aber stetig.
Und doch: Das „später“ ist selten ein Zeitpunkt.
Es ist ein Schutzraum, ein Vorwand, eine Schonfrist, manchmal auch ein stiller Schrei nach Mut.
Manchmal sind es die schweren Wege, die uns lehren, dass Aufschub kein Scheitern ist,
sondern ein Zeichen dafür, dass wir noch nicht bereit waren, uns selbst zu begegnen.
Manchmal sind es die verschobenen Träume, die uns später mit größerer Klarheit finden, weil wir erst durch die rauen Pfade die Sprache unserer eigenen Sehnsucht verstehen.
Und manchmal ist das „später“ kein Ausweichen, sondern ein stilles Reifen.
Es gibt ja viele schlaue Sprüche, so, wie:
“Was Du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf Morgen”, oder ” wer zu spät kommt, den bestraft das Leben”.
Aber das trifft nicht den Kern, das man sich vielleicht etwas vornimmt und immer wieder aufschiebt, denkend: “Das mach ich später”.
Und, das Leben lehrt uns, dass vielleicht dann dieses später am Sankt Nimmerleinstag ist, nämlich nie.
Manchmal wird aus diesem Zwischenraum ein Endpunkt, ein Ort, an dem Träume verstauben, weil wir sie zu lange in die Zukunft geschoben haben.
Nicht aus bösem Willen. Nicht aus Schwäche. Sondern weil das Leben selbst uns ständig mit neuen Wellen überrollt, und wir irgendwann vergessen, dass wir einmal schwimmen wollten.
Das Schicksal zeigt uns auch, dass wir mehr im “Jetzt” als im “Irgendwann” leben sollten.
Das Leben lässt sich jedoch nicht in “was war”, ” was ist” und ” Was kommt” teilen.
Das Leben ist eine andauernde Sammlung von Übergängen,
und das “später” ?, das weiß nur das Schicksal für was es gut ist.