
Jeder Tag beginnt anders.
Und doch beginnt jeder Tag gleich: mit dem Aufgang der Sonne.
Manchmal sieht man sie nicht. Wolken haben sich davor gestellt, als wollten sie das Offensichtliche verbergen. Doch die Sonne geht trotzdem auf.
Man beginnt im Automodus.
Aufstehen. Den ersten Schritt in den Tag. Das Mobiltelefon durchsehen. Nachrichten. Neuigkeiten. Fragmente aus fernen Leben.
Noch bevor die eigenen Gedanken angekommen sind, haben die Gedanken anderer bereits angeklopft.
Zwischen den Bildschirmen erscheinen Gesichter. Zeichen. Porträts. Spuren, Nachrichten.
Die Gleichzeitigkeit von Mensch und Zeichen.
Jedes Gesicht scheint Träger eines größeren Systems zu sein: Erinnerungen, Sprache, Bewegung, Verluste, Hoffnungen.
Figuren tauchen auf. Fragen ebenfalls.
Wir treten in einen Strom ein, der bereits läuft.
Manchmal kommen Antworten.
Nicht immer sind es die Antworten, die man gern hören möchte.
Auf einmal sind sie da:
Das Gegenüber, das eigene Netzwerk, die Geschichten anderer, die eigene Geschichte.
Manches geht.
Anderes entsteht.
Und vielleicht besteht Unbeschwertheit nicht darin, von all dem frei zu sein.
Sondern darin, für einen kurzen Augenblick zu erkennen, dass die Sonne auch dann aufgegangen ist, wenn man sie nicht gesehen hat.