
Grenzen kann man nur überwinden, wenn man diese und ihre Geschichte kennt.
Die Tiere kennen zwar ihre Reviere, jedoch gibt es weder Grenzzäune noch Barrikaden, Zölle.
Die Vögel fliegen frei über alle Grenzen hinweg und folgen ihrer Bestimmung, ihrem Instinkt oder dem was man ihnen durch die Erfahrung ihrer Vorfahren gegeben hat.
Bei uns Menschen ist das etwas anderes.
Wir meinen immer die ersten gewesen zu sein und betrachten alles andere alles Konkurrenz, jedenfalls nicht mit Freude.
Die Native American vergessen dass sie aus Asien kamen und andere auch schon vor ihnen da waren, wo sie meinen die ersten gewesen zu sein.
Sie sind nicht die Ureinwohner, und wenn, wäre dies kein Privileg.
Die indogermanischen Völker kamen aus Zentralasien und unsere Vorfahren teils aus Afrika, je nach dem in welchem Zeitabschnitt man dies betrachet.
So sind wir alle irgendwie Wanderer auf dem blauen Planeten.
Die Erde ist uns allen, aber richtig nützen kann man diese nur wenn man sorgfältig mit ihr umgeht und die Vielfalt der Natur überhaupt erfasst, mental kartografiert, und dies betrifft ja auch uns selbst als Teil der Natur.
Kartografieren bedeutet im Bewusstsein die Karte zu kreieren, die “uns” meint.
Grenzen entstehen dort, wo jemand eine Linie zieht, nicht um zu verstehen, sondern um zu besitzen.
Doch die Erde kennt diese Linien nicht.
Sie atmet in Kontinenten, in Winden, die Geschichten tragen, in Vögeln, die über alles hinwegziehen, als wären die Wege der Welt nur Erinnerungen ihrer Vorfahren.
Wir Menschen dagegen tragen Karten in unseren Köpfen, keine Landschaften, sondern Urteile.
Wir glauben, die Ersten zu sein, und vergessen, wie viele Schritte vor unseren eigenen gegangen wurden.
Die Erde ist alt, und wir sind nur ein Moment auf ihr.
Wer sie nutzen will, muss sie zuerst lesen lernen:
Die Vielfalt, die Strömungen, die stillen Übergänge zwischen allem Lebendigen.
Kartografieren heißt nicht abgrenzen, sondern erkennen, wie verschieden das Gleiche sein kann.
Es heißt, die Linien zu sehen, die nicht trennen, sondern verbinden.
Vielleicht beginnt Freiheit dort, wo wir die Welt nicht mehr vermessen, um sie zu besitzen, sondern um uns selbst als Teil ihrer Geschichte zu begreifen.