Digitale Erinnerungen

Ein kleines Tor in einen Teil dea eigenen Sein.

Wenn draußen die Geräusche leiser werden, treten oft die Verbindungen hervor, die tagsüber von der Geschäftigkeit überdeckt werden: Erinnerungen, Ideen, Bilder, Fragmente von Geschichten.

Vieles bleibt haften, wird nachhaltig, manches bleibt ungewollt.

Früher hinterließ der Mensch Spuren auf Wegen, in Büchern oder in Erinnerungen anderer.

Heute hinterlässt er sie zusätzlich in Datenbanken, Servern, Backups und Archiven.

Nicht die Spuren im Schnee sind das Problem.

Der nächste Wind verweht sie.

Die digitalen Spuren dagegen kennen keinen Winter.

Sie schlafen nur.

In Archiven, Backups und Speichern warten sie auf den Moment, in dem jemand sie erneut aufruft. Was einmal geschrieben wurde, kann oft wieder erscheinen.

Nicht als Erinnerung, sondern als Datensatz.

Philosophisch betrachtet entsteht daraus eine neue Form von Unsterblichkeit.

Zumindest bis die Datenträger verrotten oder das Interesse daran verbleicht.

Nicht die Seele bleibt zurück, sondern Fragmente.

Suchanfragen, Bilder, Texte, Standorte, Kontakte, Gewohnheiten.

Aus vielen kleinen Datensplittern entsteht ein Schatten des Menschen, der oft länger existiert als die ursprüngliche Handlung selbst.

Der Mensch versucht zu überdecken, zu vergessen, zu löschen.

Doch die Vernetzungen darunter bleiben bestehen.

Wie Wurzeln unter einer winterlichen Landschaft sind sie nicht sichtbar, aber weiterhin vorhanden.

Es ist die digitale DNA

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