Verkaufen

„verkaufen“ ist ein faszinierendes Wort, weil es weit über den Handel hinausgeht.

Je nach Zusammenhang meint es etwas völlig Unterschiedliches:

  1. Eine Ware verkaufen
    • Ein Bäcker verkauft Brot.
    • Hier geht es um den Austausch von Ware gegen Geld.
  2. Jemanden für dumm verkaufen
    • „Du kannst mich nicht für dumm verkaufen.“
    • Hier bedeutet es: täuschen, irreführen, manipulieren.
  3. Eine Idee verkaufen
    • „Er hat dem Gemeinderat sein Konzept verkauft.“
    • Gemeint ist: überzeugen, Zustimmung gewinnen.
  4. Sich selbst verkaufen
    • Im Berufsleben: die eigenen Fähigkeiten überzeugend darstellen.
    • Negativ: die eigenen Überzeugungen aufgeben, um Vorteile zu erlangen.
    • „Er hat sich an die Firma verkauft.“
    • Korruption
    • wegen Macht und Gier sogar seine Seele verkaufen
  5. Etwas verkauft sich gut
    • „Das Buch verkauft sich hervorragend.“
    • Das Objekt wird stark nachgefragt; der Verkäufer tritt sprachlich in den Hintergrund.
  6. Sich unter Wert verkaufen
    • Die eigenen Leistungen oder den eigenen Wert nicht angemessen darstellen oder vergüten lassen.

Philosophisch betrachtet bewegt sich „verkaufen“ zwischenden zwei Polen, dem Tauschwert und der Überzeugungskraft.

Dinge werden gegen Geld gehandelt, Gedanken, Bilder, Weltanschauungen und sogar Identitäten werden „verkauft“.

Gerade in der modernen Gesellschaft scheint fast alles käuflich zu werden.

Produkte, Meinungen, politische Programme, Lebensstile, Aufmerksamkeit und manchmal sogar das eigene Selbstbild.

Manche verkaufen Waren, andere Geschichten.

Die Geschicktesten verkaufen Hoffnungen, und die Gefährlichsten verkaufen Gewissheiten.

Wenn eine Wahl verloren geht, hört man gelegentlich den Satz: „Wir haben unsere Politik den Bürgern schlecht verkauft.“ Schon diese Formulierung offenbart ein Missverständnis. In einer Demokratie sollten nicht Werbekampagnen entscheiden, sondern Programme, Inhalte und ihre Glaubwürdigkeit.

Je ähnlicher sich die Profile der Parteien werden, desto mehr rückt die Kunst des „Verkaufens“ in den Vordergrund. Dann konkurrieren nicht mehr unterschiedliche Zukunftsentwürfe miteinander, sondern Verpackungen, Schlagzeilen und Versprechen.

Doch wo verkauft wird, wird auch gekauft. Der Anbieter möchte Zustimmung gewinnen. Der Käufer hofft auf Qualität, Verlässlichkeit und einen Nutzen, der die Investition rechtfertigt.

So betrachtet ist der Wähler kein Kunde im üblichen Sinn, aber ein verantwortlicher Prüfer.

Demokratie lebt von mündigen Bürgern, die nicht nur auf die Präsentation achten, sondern auf den Inhalt. Und wenn sich Versprechen als mangelhaft erweisen, darf der Bürger an sein demokratisches Umtauschrecht erinnern: die nächste Wahl.

Wer bewusster Käufer politischer Angebote wird, stärkt die Demokratie. Denn nicht die beste Verpackung sollte gewinnen, sondern die beste Idee.

Ideal wäre wenn die guten Ideen von oben nach unten und von unten nach oben transportiert werden.

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