Abstention

Zumeist verwenden wir Abstention als die Bezeichnung wenn jemand nicht zum Wählen geht oder sich bei einer Abstimmung seiner Stimme enthält.

Es ist nicht nur ein sich Enthalten, vielmehr das Zugeben, dass man hilflos ist, etwas nicht beantworten kann, fragend und ratlos ist.

berührt eine tiefere philosophische Dimension.

Man könnte es so formulieren:

Abstention ist nicht bloß das Zurückhalten einer Antwort.

Sie ist die bewusste Anerkennung der eigenen Grenze: das Eingeständnis, dass es Fragen gibt, auf die man keine gültige Antwort besitzt.

In ihr liegt nicht Passivität, sondern eine Haltung des Staunens, des Zweifelns und der Offenheit. Der Mensch hält inne, weil er erkennt, dass Wissen und Urteil begrenzt sind.

In diesem Sinn steht Abstention nahe bei mehreren philosophischen Traditionen:

„Ich weiß, dass ich nichts weiß“ , so, wie es Sokrates vor dem Gericht formulierte , bedeutet nicht Resignation, sondern der Beginn des Denkens.

Die Erkenntnis der eigenen Unwissenheit öffnet erst den Raum für Fragen.

Bei der phänomenologischen Epoche setzt man Urteile aus um die Dinge neu betrachten zu können.

Bei mystischen und kontemplativen Traditionen:ist das Schweigen vor dem Unbegreiflichen keine Leere, sondern eine Form der Begegnung.

Bei ethischen Entscheidungen ist ist die Enthaltung ein Zeichen von Verantwortung, weil eine vorschnelle Antwort der Komplexität nicht gerecht würde.

In einer philosophischen Zeitachse könnte „Abstention“ sogar einen Wendepunkt markieren.

Den Moment, in dem der Mensch nicht mehr nur Antworten sammelt,

sondern erkennt,

dass die Fähigkeit, eine Frage offen zu halten, selbst eine Form von Weisheit ist.

Vielleicht wäre ein mögliches Symbol dafür nicht ein leerer Platz,

sondern eine offene Tür, ein unbeschriebenes Blatt oder ein Mensch vor einem Horizont,

nicht weil nichts da ist, sondern weil etwas noch nicht erkannt ist.

Abstention ist eben mehr als eine Stimmabgabe ablehnen, es kann genau das entscheidende Verhalten sein das Machtverhältnisse ändern kann.

Und manchmal verändert nicht die Stimme, die gesprochen wird, die Welt, sondern die Stimme, die sich weigert, zwischen den vorgegebenen Antworten zu wählen.

Die Bedeutung liegt in „Nicht weil nichts da ist, sondern weil etwas noch nicht erkannt ist.“

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