Das “Nur” und das ” Mehr”

„Nur“, die Illusion der Leichtigkeit

Das Wort suggeriert, dass alles verfügbar, bezahlbar, machbar sei – eine sprachliche Beruhigungspille des Kapitalismus.

Es ist der Verlust der Maßstäbe.

Wenn alles „nur“ etwas kostet, verliert das Denken den Sinn für das Ganze.

In der Werbung werden billige Preise suggeriert, eben mit einem” es kostet nur”.

Dabei ist es in den wenigsten Fällen günstiger und hält was es verspricht.

Arbeit, Ressourcen, Würde gehen unter.

Nur“ entwertet das, was Zeit und Hingabe braucht – es macht das Tiefe flach, das Wichtige beiläufig.

Nur ist ein kleines Wort, das sich wie ein Schleier über die Welt legt.

Es tritt leise auf, doch es verändert alles, was es berührt.

Nur ein Preis. Nur ein Aufwand. Nur ein Moment.

Und während es spricht, schrumpft die Wirklichkeit.

Das Große wird klein, das Schwere leicht, das Wertvolle beiläufig.

„Nur“ ist der Zauberer der Reduktion – es zieht dem Leben die Tiefe aus den Taschen.

Manche nützen das “Nur” um Fehler herunter zu spielen, oder,

um etwas einzigartig hinzustellen, wie:

” ich hab das nur für Dich gemacht”

Manchmal aber, wenn man innehält, hört man hinter dem „Nur“ ein zweites Flüstern.

Das “Mehr” , und dies ist etwas das sich nicht kleinreden lässt.

Es ist die Zeit, die wirklich gebraucht wird.

Die Mühe, die nicht verschwindet. Die Würde, die nicht verhandelbar ist.

Es ist auch ein sich gegenüber der Preisillusion ” Nur” verweigern.

Man kauft eben dies oder jenes nur nicht mehr ein.

So steht das Wort „Nur“ wie ein schmaler Steg über einem weiten See.

Wer achtlos darübergeht, glaubt an Abkürzungen. Wer stehenbleibt, spürt, wie viel unter der Oberfläche liegt.

Nur verkleinert die Welt – und erinnert uns daran, dass das Leben niemals „nur“ ist.

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