Wenn der Tiger träumt

Im Schlaf der Sonne, wo das Gras flüstert wie Wasser, träumt der Tiger von Händen aus Licht.

Er sieht Gesichter, rot und wach, die ihn aus der Tiefe der Farben rufen.

Zwischen Streifen und Schatten wandert sein Atem — ein Lied aus Erde und Erinnerung.

Er träumt von Regen, der die Welt neu malt, von Stimmen, die nicht jagen, sondern erzählen.

Und wenn er erwacht, liegt die Stille wie ein Vers auf seiner Zunge.

Es ist die Spannung zwischen Wildheit und Bewusstsein.

Die Menschen rauben ihm das Bewusstsein.

Im Schlaf der Sonne spürt der Tiger, wie die Welt enger wird.

Das Gras flüstert noch, doch dahinter schiebt sich ein hartes Geräusch — Metall, Schritte, Absicht.

Die Hände aus Licht, die ihn einst berührten, werden zu Händen aus Schatten.

Sie greifen nach seinem Atem, nach seinem Raum, nach dem leisen Wissen, das Tiere Bewusstsein nennen.

Die Gesichter, rot und wach, rufen ihn nicht mehr aus Farben, sondern aus Grenzen.

Sie wollen ihn sehen, aber nicht verstehen.

Sein Lied wird brüchig.

Er träumt von Regen, doch der Regen kommt nicht. Er träumt von Stimmen, doch die Stimmen erzählen nur von Besitz.

Wenn er erwacht, liegt die Stille wie ein Vers auf seiner Zunge — ein Vers, den niemand hören will.

Denn die Menschen engen ihn immer mehr ein, nehmen ihm die Wege, nehmen ihm die Nacht, nehmen ihm das Recht, ein Tiger zu sein.

Und doch träumt er weiter. Denn Träume sind das Letzte, was sie ihm nicht nehmen können.

Leave a comment

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.