Die drei, die durch die Wand gingen

Vieles was wir sehen ist auch symbolisch.

Manchmal huscht das Leben vorbei fast wie ein Traum, der sich in Schichten offenbart.

Aus dem Nebel oder einer Wand kommend.

Manches fühlt sich unwirklich an, als würden es aus einer anderen Zeit oder Dimension auftauchen.

Vielleicht gibt es Boten zwischen Welten, vielleicht zwischen Erinnerung und Gegenwart.

Vielleicht ist es auch ein leises Erwachen aus Stein und Schatten.

Wie in der kleinen Geschichte:

Die drei, die durch die Wand gingen, fanden sich in einem Raum aus fließendem Licht wieder.

Ihre Körper lösten sich von den Linien, die sie einst begrenzten.

Der erste von ihnen – der mit dem klaren Blick – sah, dass die Welt hinter der Wand nicht neu war, sondern eine Erinnerung, die sich selbst wieder träumte.

Der zweite, der noch halb durchsichtig blieb, hörte Stimmen aus dem Wasser über ihnen.

Sie sprachen von alten Wegen, von der Zeit, als Menschen und Bilder noch dieselbe Sprache kannten.

Und der dritte, der sich kaum bewegte, spürte, wie die Linien auf seiner Haut zu Wurzeln wurden.

Er verstand: Die Wand war kein Hindernis, sondern eine Membran zwischen dem Sichtbaren und dem Erinnerten.

So gingen sie weiter – nicht fort, sondern hinein – in das, was sie selbst gezeichnet hatten.

Jeder Schritt verwandelte die Welt in eine neue Schicht aus Bedeutung.

Sie gingen weiter durch den lichtdurchwirkten Raum, und zum ersten Mal seit ihrem Übergang begann jemand zu sprechen.

Der erste blieb stehen, drehte sich um und sagte leise zu den anderen: “Seht Ihr das, die Linien, sie folgen uns nicht mehr”

Der Zweite, dessen Körper noch halb durchsichtig war, antwortete: „Vielleicht folgen wir ihnen. Vielleicht waren sie nie Mauern, sondern Wege.“

Der Dritte legte die Hand an die schimmernde Wand, aus der sie gekommen waren. „Ich spüre etwas. Als würde die Wand uns noch kennen.“

Der Erste trat näher. „Was sagt sie dir?“

Der Dritte schloss die Augen. „Dass wir nicht die Ersten sind. Und nicht die Letzten.“

Ein leises Rauschen ging durch den Raum, wie Wasser, das über Steine fließt. Der Zweite hob den Kopf. „Hört ihr das? Stimmen… sie rufen nicht nach uns. Sie erinnern sich an uns.“

Der Erste runzelte die Stirn. „Wie kann sich etwas erinnern, das wir erst gerade betreten haben?“

Der Zweite lächelte schwach. „Vielleicht ist Zeit hier nur eine Richtung unter vielen.“

Der Dritte öffnete die Augen wieder. „Wir sollen weitergehen. Die Wand sagt, dass der nächste Raum uns zeigt, wer wir waren, bevor wir Linien wurden.“

Der Erste atmete tief ein. „Dann gehen wir. Aber diesmal sprechen wir miteinander, bevor wir verschwinden.“

Der Zweite nickte. „Ja. Keine stummen Übergänge mehr.“

Und so setzten sie ihren Weg fort — drei Gestalten, die aus einer Wand gefallen waren und nun lernten, dass jede Grenze eine Einladung sein kann.

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