
Es heißt, die Städte unter den Farben seien niemals still.
Nachts leuchten die Lichter, tagsüber das ganze Verkehrsgeschehen.
Zwischen den Schichten aus Blau, Gelb, Rot und Violett lebten Stimmen, die sich nicht voneinander trennen ließen.
Jede Linie, die ein Gesicht zeichnete, war zugleich die Grenze und die Verbindung zu einem anderen.
In der Mitte Menschen mit offenen Augen.
Manche mehr sehend als die anderen — nicht weil sie weiser waren, sondern weil sie die Welt mental nicht in Einzelteile zerlegten.
Für sie war jeder Mensch ein Echo eines anderen, jede Emotion ein Spiegel, jede Entscheidung ein Faden im gleichen Gewebe.
Andere trugen Geheimnisse:
Sie hörten die Geschichten der verborgenen Gesichter, jener, die nur als Konturen auftauchten.
Manche flüsterten von verlorenen Träumen, andere von Mut, den sie nie aussprechen konnten.
Wieder andere waren nur Schatten, die darauf warteten, endlich Farbe zu bekommen.
In der Mitte des bebenden Farbfeldes der Gedanke:
Wir sind viele , aber wir sind nicht getrennt.
Jede Linie die uns teilt, ist dieselbe, die uns verbindet.
Da geschah etwas Seltsames:
Eines Tages begann die Stadt zu beben. Die Farben verschoben sich, Linien lösten sich auf, neue Gesichter tauchten auf, alte verschwanden. Die Menschen nannten es Chaos, andere den Wandel.
Die Gesichter begannen, sich nicht mehr zu überlagern, sondern miteinander zu sprechen.
Die Farben hörten auf, gegeneinander zu kämpfen, und begannen, sich zu mischen. Die Stadt wurde nicht ruhiger — aber sie wurde wahrhaftiger.
Und so entstand die Legende der Vielgesichter:
Dass niemand allein ist, selbst wenn er sich als einzelnes Gesicht wahrnimmt.
Dass jede Farbe eine andere trägt. Dass Identität kein Punkt ist, sondern ein Netz.
Und dass man mit den offenen Augen leben sollte, in jeder Linie, die wir ziehen, und in jedem Menschen, den wir zu sehen versuchen.
Es gibt nur eine Erde, und da ist alles miteinander verflochten, obman es will oder Nicht.