
Es fühlt sich tatsächlich so an, als ob die Reizschwelle vieler Menschen gesunken ist.
Kleine Auslöser genügen, und plötzlich bricht etwas hervor, das früher vielleicht noch abgefedert worden wäre.
Im Strassenverkehr, auf der Autobahn.
Manche fahren bis wenige cm auf einem heran, andere hupen dass man aus dem Weg geht.
Beim Einkaufen werden die Menschen mürrisch, ruppig.
Niemand verträgt Kritik.
Vieles erinnert an die HB Reklame aus den 60er Jahren:
Greife lieber zur HB, dann geht alles wie von selbst.
Aber auch die HB, das Rauchen , nüztzt nichts.
Manche gehen mental wie eine Rakete ab, in die Luft der Agressivität.
Dieses Phänomen ist nicht eingebildet – es hat soziale, psychologische und kulturelle Wurzeln.
Viele leben in einem Zustand chronischer Überlastung.
Wenn das Nervensystem ständig auf Alarm steht, reicht ein winziger Impuls, um die Selbstkontrolle zu verlieren.
Digitale Überflitung, ständige Benachrichtigungen, Vergleiche, Empörungskultur.
Das Gehirn bekommt wenige Ruhezeiten.
Wir werden impulsive.
Früher gab es mehr soziale Räume, in denen man sich regulieren konnte:
Vereine, Nachbarschaften, klare soziale Strukturen.
Heute sind viele isolierter.
Ob wirtschaftlich, politisch oder gesellschaftlich – Unsicherheit macht Menschen empfindlicher. Wer sich bedroht fühlt, reagiert schneller aggressiv.
Viele haben verlernt, Spannungen auszuhalten oder konstruktiv zu kommunizieren.
Stattdessen wird sofort eskaliert.
Aggression ist oft ein Ausdruck von Überforderung, Angst oder dem Gefühl, nicht gesehen zu werden.
Dünnhäutigkeit ist ein Symptom, kein Charakterfehler.
Es zeigt, dass etwas im Inneren oder im Umfeld nicht mehr stabil ist.
Es gibt auch eine Gegenbewegung:
Menschen, die bewusster leben wollen, die nach Ruhe, Empathie und echter Verbindung suchen.
Manchmal spürt man selbst dieses Bedürfnis nach mehr Menschlichkeit in einer lauten Welt.
Man darf sich nie entmutigen lassen „menschlich „ zu sein und zu bleiben, auch mit dem Risiko unmenschlich behandelt zu werden.