PANIK

In einer überfüllten, vibrierenden Stadt, in der alles gleichzeitig passiert.

Die Gebäude sind nur noch Fragmente, Linien, Muster – nichts wirkt stabil.

Die Menschen sind eng aneinander gedrängt, aber jeder scheint in seiner eigenen Richtung zu fliehen.

Manche wie Zombies auf ihr Mobiltelefon schauend, wie getrieben, ferngesteuert.

Etwas ist passiert. Vielleicht ein Geräusch, ein Riss im Himmel, ein plötzlicher Stromausfall, ein kollektiver Schreckmoment, ein Feuer.

Die Panik breitet sich nicht wie ein Schrei aus, sondern wie ein farbiger Schub.

Rot und Orange steigen auf wie Hitze, die sich durch die Körper frisst.

Die Figuren verlieren ihre Konturen, werden zu Bewegungen, zu Reflexen.

Keiner weiß genau, wovor er flieht – aber alle spüren, dass etwas kippt.

Die Stadt, die sonst Halt gibt, wirkt plötzlich wie ein Labyrinth aus Zeichen.

Die Menschen stoßen aneinander, greifen nach Luft, nach Orientierung, nach einem Ausweg, der nicht existiert.

Und mitten in dieser Panik gibt es vielleicht eine Figur, die stehen bleibt.

Nicht aus Mut, sondern aus Überforderung.

Sie sieht, wie die Farben um sie herum explodieren, wie die Linien sich verheddern, wie die anderen verschwimmen.

Und sie fragt sich: Ist die Panik wirklich draußen – oder ist sie in uns?

Panik läuft durch die Menge wie ein farbiger Sturm.

Linien der Körper lösen sich auf, Stimmen werden zu einem einzigen, vibrierenden Geräusch.

Und in diesem Moment muss man vielleicht begreifen daß die Panik schon immer da gewesen war, leise, geduldig, wie ein Tier, das im Schatten wartet.

Die Stadt und eine besondere Situation hatte sie nur sichtbar gemacht.

Und wenn alles in Aufregung ist, kopflos wirkt, braucht man Ruhepole, die wie Statuen im Wind da stehen und allem trotzen.

Panik ist der schlechteste Ratgeber, Ruhe und Besonnenheit schaffen Klarheit.

Wenn die Farben langsam verblassen und die Menschen wieder zu Menschen werden, strahlt dann diese Ruhe immer noch aus.

Zwar atemlos, leer, klar.

Manchmal muss alles kippen, damit man überhaupt merkt, wie dünn die Linien sind, die uns zusammenhalten.

Leave a comment

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.