Die Inflation der Meinungen

Die Inflation der Meinungen beschreibt ein Phänomen, in dem die Menge an geäußerten Ansichten schneller wächst als ihre Substanz, ihr Gewicht oder ihre Verantwortung.

Der Begriff wirkt wie eine Diagnose unserer Gegenwart:

Zu viele Stimmen, zu wenig Resonanz, zu viel Behauptung, zu wenig Erfahrung; zu viel Lautstärke, zu wenig Bedeutung.

Meinungen werden permanent gefordert: in sozialen Medien, Kommentarspalten, Meetings, Alltagsgesprächen.

Das erzeugt Druck etwas zu sagen, auch wenn nichts ausgereift ist.

Und oft ist das was man meint rosa gefärbt oder in der Farbe des Mainstreams.

Schnell dahin gesagt und danach muss man zurück rudern.

” Es war ja gar nicht so gemeint”

Allerdings gibt es auch Meinungen die vertreten werden:

“Was interessiert mich das von gestern. Heute ist heute und da ist die Lage anders und erfordert eine neue Bewertung”.

Wenn alles Meinung ist, verliert jede Meinung an Wert.

Wie bei einer Währung, die zu oft gedruckt wird.

Es wird inflationär.

Jedermanns Meinung st nicht ” die” meinung, die man vielleicht als Ratschlag benötigt.

Reflexion, Erfahrung, Stille und Zweifel werden verdrängt durch Geschwindigkeit, Reaktion und Positionierung.

Plattformen belohnen nicht das Nachdenken, sondern das Polarisieren.

Das beschleunigt die Inflation weiter.

In der Flut der Stimmen wird es schwer, überhaupt noch etwas zu hören, das wirklich berührt.

Wenn Meinungen wie Wegwerfprodukte behandelt werden, sinkt die Bereitschaft, für sie einzustehen.

Die Vielzahl konkurrierender Deutungen erzeugt Fragmentierung statt Verständigung.

” Jeder meint seinen ” Senf” dazu geben zu müssen.

Wer nicht sofort reagiert, gilt als uninformiert oder gleichgültig, obwohl gerade das Schweigen oft die Bedingung für Klarheit wäre.

Folglich sagt man einfach etwas, anstatt nachzudenken.

Was kann man dagegen tun?

Meinungen, die reifen dürfen, verlieren ihre Aggressivität und gewinnen an Tiefe.

Folglich erst denken, dann reden.

Das Erzählen, was man gesehen, erlebt, gespürt hat ist besser als abstrakte Positionen zu beziehen.

Es wäre Realität und nichts Nacherzähltes.

Eine gute Frage kann mehr Raum öffnen als zehn fertige Meinungen.

Orte, Texte, Begegnungen, suchen, in denen nicht die Lautstärke zählt, sondern die Qualität der Aufmerksamkeit.

Die Welt ist voller Stimmen, doch die Stille trägt die Wahrheit.

Meinungen wachsen wie Unkraut, und Einsicht wächst langsam wie ein Baum, aber mit Wurzeln.

Statt Meinungen zu beantworten, eher ein Aha, und ein Nachdenken.

Erwachen Aufwachen

Carl Friedrich von Weizsäcker schreibt im dritten Kapitel von “Wege in der Gefahr” daß er am liebsten die Menschen anschreien würde damit sie aufwachen.

Würde er dieses tun würde man ihn verrückt erklären, folglich tut er es nicht.

„Die Erwachenden“ – das ist nur eine von mehreren Geschichten, die sich irgednwo verbergen könnten.

Menschen, scheinen manchmal in einer Starre zu sein, erwachen plötzlich und verbinden sich auf einmal wieder miteinander.

Trommeln und Bewegungen erzählen dann von einem gemeinsamen Aufbruch, fast wie ein Ritual, das die Welt neu ordnet.

Es isteine vieles verdrängende Geschichte.

Eine Gemeinschaft findet nach einer Zeit der Trennung, wieder zusammen und entdeckt ihre eigene Lebendigkeit neu.

So, wie DDR und BRD.

Momente zwischen „Davor“ und „Danach“.

Es ist als ob Farben zu glühen beginnen, als würde etwas Altes verbrennen und etwas Neues entstehen.

Landschaften , Ernte, Jahreszeiten.

Orte, die durch Tanz und Rhythmus das Gleichgewicht der Welt bewahren.

Dörfer feiern Feste, die seit Jahrhunderten den Kreislauf von Natur und Gemeinschaft zusammenhalten, wie Funkenfeuer, Karneval.

Wiederbelebte Erinnerungen vergangener Zeiten.

Es kann das Ende einer Lethargie, einer Trance oder auch eines “dem Mainstream Folgen” sein.

Ein Erwachen wie aus einer Ohnmacht, aus einem Tiefschlaf.

Auf einmal ist die Realität wieder da, man erkennt was ist und war.

Die Farben der Welt kehren zurück, nicht mehr gedämpft, sondern glühend, als hätten sie all die Zeit darauf gewartet, wieder gesehen zu werden.

Dieses Erwachen ist kein lauter Knall, eher ein inneres Aufrichten.

Ein Atemzug, der tiefer geht als die davor.

Ein Blick, der klarer wird.

Und in diesem Moment beginnt die Bewegung: erst im Einzelnen, dann im Kollektiv.

Menschen, die lange erstarrt waren, beginnen sich zu regen, sich zu verbinden, sich gegenseitig zu spiegeln.

Aus dem Stillstand wird Rhythmus, aus dem Rhythmus ein gemeinsamer Schritt.

So entsteht ein Übergang zwischen „Davor“ und „Danach“.

Etwas Altes fällt ab wie eine abgestreifte Haut.

Etwas Neues tritt hervor, noch fragil, aber unverkennbar lebendig.

Aber wie so oft bedarf es eines starken Impulses, einer Erkenntnis, um zu erwachen,

um beispielsweise zu erkennen daß wir uns um unseren Planeten bemühen müssen, ihn erhalten, verschönern und diesen nicht verwüsten dürfen,

daß wir eher Frieden statt unnötige Konflikte und Kriege brauchen.

Wir sind nicht “Eins” mit der Natur. Tiere werden als Sache und nich “Persönlichkeiten, Individien” betrachtet.

Vielleicht betrachtet uns auch jemand aus einer anderen Dimension irgnedwann als “Sache”, und dann wird es schwierig mit dem Erwachen.