
Nicht einfach „interpretieren“, nicht „erklären“, sondern denken.
Das Leben besteht oft aus Gedanken über Identität, Dialog, Missverständnisse.
Manches ist gegeben, anderes zusammengesetzt, von außen geformt ,
durch Stadt, Geschichte, Blick der anderen.
Raisonieren heißt hier: Wenn Identität gebaut ist, wie viel davon gehört „mir“, wie viel ist Spiegelung?
„Achtung, hier passiert etwas“ – oder manchmal wie ein Appell.
Zwischen dem Ich und dem Du steht immer auch ein Drittes – Geschichte, Macht, Stadt, Öffentlichkeit.
Raisonieren heißt hier: Kein Dialog ist unschuldig. Immer spricht auch das, was vor uns war, mit.
Wir leben in Rastern, aber sehnen uns nach Flugbahnen.
Raisonieren heißt hier:
Wie viel Raster ertrage ich, ohne den Flug durch das Leben zu verlieren?
Und: Ist völlige Freiheit überhaupt denkbar – oder braucht auch sie ein Gegenüber, eine Grenze, um spürbar zu werden?
Raisonieren bedeutet nachdenklich über etwas brüten, in Gedanken umherwandern, etwas innerlich bewegen, ohne unbedingt zu einem klaren Ergebnis kommen zu müssen.
Es ist ein Denken, das nicht drängt. Ein Denken, das sich Zeit nimmt.
Ein Denken, das eher kreist als zielt.
Sinnieren ist weich, tastend, fast träumerisch, Gedanken treiben lassen, ohne Ziel, wie ein Spaziergang im Kopf.
Raisonieren ist klarer, analytischer, argumentierender, über etwas nachdenken, aber mit Vernunft, Logik, Abwägen.
Es hat etwas von „überlegen“, „erörtern“, „vernünftig argumentieren“.
Beim Sinnieren folgt man dem Wind. beim Raisonieren folgt man einer Spur.
Ein Spaziergang im Kopf, – man geht los, ohne genau zu wissen, wohin, und gerade darin liegt der Reiz.
Man muss nicht immer nach dem Grund fragen, sondern einfach das “Jetzt” denken lassen.
