
Theoretisch könnte man eine weisse Leinwand als Kunstwerk bezeichnen, denn sie drückt alles in Perfektion aus.
Jeder Strich, jegliche Veränderung käme einer Revolution durch Zerstörung des Alten gleich.
Weisse Flächen, Flecken, Punkte, Schatten gibt es viele.
Nicht nur weiße Westen, sondern auch Gedächtnislücken.
Man denkt nach und etwas fällt einem das, nach dem man sucht, nicht ein.
Lücken, weisse Flecken.
Nur das unbefleckte weiss scheint rein zu sein, aber das trifft auch auf alle anderen Farben zu.
Weiß ist unbunt,
Beim Sehen wäre dies schlecht. Man nennt dies “mouches volantes”, fliegende Mücken.
Mit den mouches volantes und der Netzhautablösung verschiebt sich das Bild ins Körperliche.
Die weiße Fläche ist hier nicht mehr Möglichkeit, sondern Symptom.
Etwas, das fehlt, wo eigentlich etwas sein sollte.
Ein Loch im Sehen.
In anderem Zusammenhang kann dies bedeuten, daß sich Erinnerungen aus dem eigenen Gedächtnis lösen.
Manchmal beabsichtigt, weil es unangenehm war oder aus Vorsicht, oder weil man an irgendeiner Form der Demenz erkrankt.
Weiß ist nicht neutral, sondern ein Ausfall, ein Abgleiten, ein Verlust von Kontinuität.
Das Motiv der weißen Fläche ist als Kunst, als Lücke, als Gefahr, als Schutzmechanismus zu verstehen.
Die gedankliche Bewegung führt von der ästhetischen Reinheit über die physiologische Irritation bis hin zur psychischen Fragilität.
Die weiße Leinwand steht nicht für Leere, sondern für potenzielle Totalität.
Alles ist möglich, aber jede Veränderung wäre zugleich ein Verlust.
Das ist ein klassisches Paradox der Moderne: Reinheit als Vollendung und als Bedrohung.
Alle diese Bedeutungen kreisen um dieselbe Grundidee:
- Weiß als Anfang
- Weiß als Abwesenheit
- Weiß als Gefahr
- Weiß als Schutz
- Weiß als Verlust
Der Schnee ist weiß, auch der Nebel, Wolken, die Gischt se Meeres
Weiß kann mystisch sein, besondere wenn Tiere, Albinos, weiss sind.
Oder, wie der weisse Elefant von Karl dem Großen
In der Farbe liegt auch die Vielfalt und der Kontrast.
Weiß ist nicht die Abwesenheit von Farbe, sondern die Summe aller Lichtfarben.
Es ist ein Maximum, kein Minimum.
Ein Überfluss, der als Leere erscheint. Das macht Weiß so modern: Es ist die Farbe der Ambivalenz.
“Weiß ist der Raum, in dem alles beginnen könnte und nichts beginnen darf, weil jede Spur die Unschuld bricht.
Weiß ist der Atem des Schnees, die Stille des Nebels, die Gischt, die im Aufprall aufleuchtet.
Weiß ist das seltene Tier, das aus der Ordnung fällt und gerade darin Bedeutung trägt.
Weiß ist Fülle, die sich als Leere tarnt, ein Maximum, das sich als Nullpunkt gibt.”
Bilder können erworben werden. Der Erlös wird für Umweltprojekte verwendet
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