Zwischen Blick und Beton

Die „Gesichter einer Stadt“ – betonen die Verschmelzung von Mensch und urbaner Struktur.

Das „Ich in tausend Fassaden“ – thematisiert Identität und Vielschichtigkeit.

Die Architektur der Seele spiegelt sich in den Gesichtern.

Viele Menschen sehen teilnamslos aus, starren mürrisch vor sich hin, sind empfindlich und laufen mit dem Blick auf das Mobiltelefon wie Zombies umher.

Morgens Frühstück, zur Arbeit, schnelles Mittagsessen oder Brotzeit, Arbeit, Arbeitsende, nach Hause, Abendessen, Fernsehen, ein Bier und gute Nacht.

Die Monotonie des immer wieder Gleichen.

Schnelles Leben, schnelles Denken, kaum Zeit zum Fühlen.

Die urbane Routine, die anonymen Gesichter, die sich in Fassaden verlieren.

Man möchte hinter die Oberfläche zu blicken,

die Seele der Stadt erkennen, nicht nur ihre Struktur.

Aber haben die Städte vielleicht keine Seelen,

sie sind nur deren Aufenthaltsort, ohne Wirkung

Städte sind wie leere Gefäße.

Sie haben keine eigene Seele, aber sie tragen in sich die Spuren derer, die durch sie hindurchgehen.

Jede Mauer, jeder Riss, jede Laterne ist von Menschen berührt worden, die längst weitergezogen sind.

Die Stadt wirkt dadurch lebendig, obwohl sie selbst nichts fühlt.

Es ist nicht die Seele der Stadt die wichtig ist– sondern die Atmosphäre, die aus Millionen kleiner menschlicher Gesten und Spuren entsteht.

Ein kollektischer Atem, der nicht einer Person gehört, aber auch nicht völlig seelenlos ist.

Wenn man hinter die Fassaden blickt, sieht man nicht die Seele der Stadt, sondern die eigene.

Die Stadt zwingt uns, uns selbst zu erkennen:

  • Wie wir uns bewegen
  • Wie wir schauen
  • Wie wir uns verlieren
  • Wie wir uns wiederfinden
  • wo wir wohnen und arbeiten

Die Anonymität ist nicht nur Verlust, sondern auch Freiheit.

Man kann verschwinden – oder neu beginnen.

Es sind die vielen Bühnen, auf denen wir unsere Geschichten spielen.

Aber jede Bühne verändert das Stück.

Jede Straße formt, wie wir denken, fühlen, atmen.

Die Stadt wirkt also – nicht weil sie lebt, sondern weil wir in ihr leben.

Die Schaffer

Es gibt viele Schaffer Typen.

Sie sind vielfältig, manchmal einfältig, und, bunt.

Vertreten sind sie in allen Gesellschaftsschichten.

Diejenigen die sagen ” Wir schaffen das” und schaffen es doch nicht, eher das Gegenteil.

Die Malocher-Schaffer, die hart körperlich arbeiten (Ruhrpott-Slang „malochen“).

Manche schaffen an, holen Aufträge heran; im umgangssprachlichen Sinne oft auch in Milieus verwendet.

Rationalisierer, Kritiker oder Reorganisatoren wollen Bestehendes auflösen oder abschaffen.

Die Spezies der Wiederbeschaffer wollen Verlorenes wieder beschaffen oder zurückholen.

Beischaffer organisieren immer genau das, was man gerade benötigt.

Die eigentlichen Schaffer sind die Fleissigen, die Sparer, besonders im schwäbischen Raum („Schaffe, schaffe, Häusle baue“), die Geld für die Zukunft beiseite legen wollen.

Und dann ist es auf einmal nichts mehr wert.

Es gibt auch die Wegschaffer , die meinen aufräumen zu müssen, Hindernisse beseitigen oder Beweismittel verschwinden lassen,

so wie die Fortschaffer, die Platz für Neues machen wollen, in dem sie alten Ballast konsequent entsorgen.

Umschaffer wollen immer alles umbauen, umstrukturieren, egal was es kostet oder ob alles sich bewährt hastte.

Kreativ sind die Erschaffer von Werkstücken, Kunstobjekten, Malereien oder die Schriftsteller die schöne Romane schreiben.

Es gibt auch Menschen, die tun nur so, als würden sie schaffen, tatsächlich sind sie faul und täuschen alle, das sind die zum Schein Schaffer.

Das digitale Zeitalter geht am Schaffen nicht vorbei.

Die Klick oder smiley Verschaffer.

Einige verschaffen sich grosse Werte.

Das sind aber nicht unbedingt die Freischaffer, die Freelancer, die sich ihren Raum und Zeit selbst einteilen.

Die Vielfalt unserer Gesellschaften bietet alle Varianten an,

aber nur mit den wenigsten kann man ein glückliches Leben führen.

Vielleicht verschaffen uns die Vorteile von AI und digitalen oder hybriden Systemen ein immer angenehmer werdendes glücklicheres Leben.

Wer weiß das schon.

Die Retrovision

Visualisierte Erinnerungen.

Es sind die „Zwischen Räume“ des Lebens.

Zwischenwelten zwischen Architektur und Mensch.

Urbane Atmosphäre und verborgene Geschichten fragmentierter Präsenzen,

die einem erinnern, wie Städte Erinnerungen speichern:

nicht linear, sondern in Schichten.

Jeder Mensch hinterlässt Spuren, die sich überlagern, auslöschen, neu schreiben.

Man bewegt sich durch diese Palimpseste, ohne sie je vollständig zu erfassen.

Es ist die Retrospektive,

das Zurückschauen, was gut oder schlecht gelaufen ist.

Aber ausser vielleicht aus Fehlern zu lernen bringt das nicht viel.

Wissend, dass die Gegenwart in ihrem Sein schon bereits Geschichte ist,

scheint eine Vision von der Zukunft zu haben, sinnvoller.

Die Retrovision ist Art innerer Archäologie des eigenen Lebens.

Wenn man sie liest, entsteht das Gefühl, durch einen urbanen Raum zu gehen,

in dem Erinnerungen wie Lichtreflexe an Fassaden haften – flüchtig, fragmentiert, aber dennoch prägend.

Wenn alles, was wir erleben, sofort Vergangenheit wird,

dann ist die Zukunft der einzige Raum, in dem Gestaltung wirklich stattfindet.

Und doch bleibt sie unbestimmt.

Eine Vision kann nur vage sein, weil sie immer eine Projektion bleibt.

Vielleicht liegt genau darin ihre Kraft: Nicht präzise zu sein, sondern Richtung zu geben.

Die Planer

Das Leben ist nicht immer wie ein Schachspiel, in dem die Planer die Figuren setzen und versuchen vorraus zu berechnen welche Züge die anderen haben werden.

Viel wichtiger ist zu wissen was man selbst wirklich will.

Ein Kompass oder ein Sextant gibt klare Orientierung: Norden bleibt Norden, Sterne bleiben Sterne.

Wer solche Instrumente beherrscht, findet seinen Weg, selbst wenn die Umgebung chaotisch wirkt.

Im Leben dagegen sind die „Himmelsrichtungen“ oft weniger eindeutig.

Es gibt keine magnetische Nadel, die zuverlässig zeigt, wohin wir gehen sollen.

Entscheidungen hängen von Gefühlen, Erfahrungen, Zufällen, Menschen und manchmal schlicht vom Mut ab, einen Schritt zu machen, obwohl man die Karte nicht kennt.

Aber geht dies planlos?

Was ist schon geplant und wenn von wem?

Ist Planen der Zustand, in dem alles klar wirkt:

Ziele, Schritte, Zeitplan.

Man fühlt sich souverän, fast wie jemand, der mit Karte und Kompass unterwegs ist.

Aber: Zu viel Planung kann auch starr machen.

Das Leben hält sich selten an Excel-Tabellen und Algorithmen sind nicht das Nonplusultra.

Man scheint oft verplant zu sein.

Eigentlich ist oder scheint man organisiert, aber das Leben grätscht dazwischen.

Termine überschneiden sich, Prioritäten verschieben sich, und plötzlich rennt man hinterher.

Das ist menschlich — und oft ein Zeichen dafür, dass man viel will oder viel trägt.

Planlos zu sein kann chaotisch wirken , aber es bedeutet auch Freiheit.

Planlosigkeit kann ein Übergang sein, ein Reset, ein Moment, in dem man wieder spürt, was man wirklich will. Manchmal entsteht gerade aus der Planlosigkeit die klarste Richtung.

Nicht alles ist “Plan”.

Oft kommen Ereignisse auf einem zu, mit denen man nie gerechnet hatte, Unwahrscheinlichkeiten,

oder,

man hatte irgendetwas in seinem Plan übersehen, den kleinen Faktor x, der letztlich entscheidend sein könnte.

Die meisten Menschen pendeln zwischen allen Planungszuständen.

Vielleicht ist die eigentliche Kunst nicht, immer geplant und verplant zu sein,

sondern zu wissen, wann welcher Zustand gerade okay ist.

Vermutlich liegt die Lösung darin, dass der eigene Plan bedeutet eben keinen Plan zu haben,

und auf sich selbst zu vertrauen.

Die Versammlung der Unsichtbaren

Zwar ein Gewimmel roter Gesichter, weißer Augen und Münder,

eingebettet in ein chaotisches, fast kosmisches Farbspiel, aber alles in der Anonymität,

die der biometrischen Erfassung ausweicht.

Die Figuren wirken wie Masken oder Geister, individuell und doch kollektiv, als ob sie Teil eines größeren Bewusstseinsstroms wären.

Der Mainstream wirkt wie ein „Chor der Gesichter“ – er betont die Vielstimmigkeit und das kollektive Element.

Viele Stimmen, aber alle singen dieselbe Melodie.

Die Vielstimmigkeit ist nur Oberfläche; darunter liegt die Angst vor Abweichung.

Oft „zwischen Blick und Rausch“ spielt mit der Wahrnehmung der Dinge und emotionalen Überwältigungen.

Eine Art Tanz der Masken.

Es kommt einem vor wie “Die Versammlung der Unsichtbaren“ – die auf das immer wieder Gleichlautende verweist.

Menschen getrauen sich nicht eine Meinung zu haben und verstecken sich hinter Masken.

Die moderne Maskerade.

Es verschwimmen die Grenzen der Wahrnehmung.

Was bleibt, ist die Wiederholung des Unsichtbaren – ein Echo derer, die sich zeigen, ohne erkannt zu werden.

Es erinnert an eine Entkörperung im digitalen Zeitalter.

Auch die Avatare können zugeordnet werden, die IP des Creators kann erfasst werden.

Aber eine Maske kann verschleiern,

und,

wenn man will kann man mit der Farbe die Stimmungslage signalisieren.

Farben sprechen.

Rot als Alarm, Rausch, Überforderung. Weiß als Leere, Distanz, Entkörperung. Farben werden zu emotionalen Codes, die das ausdrücken, was das Gesicht nicht mehr darf.

Die Anonymität ist nicht nur Schutz, sondern auch Symptom.

Sie verweigert sich der biometrischen Erfassung, aber sie verweigert sich ebenso der Verantwortung.

Die Masken sind nicht nur Tarnung, sondern auch Komfortzone.

Was ist echt
Was ist Projektion
Was ist nur ein Echo der anderen
Was ist mein eigener Blick

Die Welt ist immer bunt

Es sind die Geschichten zwischen Traum und Wirklichkeit,

zwischen individueller Präsenz und kollektiver Bewegung, die einem manchmal nicht los lassen.

Die Akteure sind nicht nur Figur, sondern auch Zeugen, vielleicht sogar Erzähler.

Sie wirken dann wie Textilien aus Erinnerungen, Gedanken, inneren Landschaften.

Menschen sind immer in Bewegung, Häuser mit offenen Fenstern, Farbwirbel aus Pink, Gelb, Grün und Blau,

als würde die Welt tanzen – nicht unbedingt in Harmonie,

sondern in einem chaotischen, lebendigen Rhythmus.

Unsere Rollen sind wie Schatten, die wir spielen: flüchtig, wandelbar, miteinander verwoben.

Manchmal sucht man sich selbst., und dies inmitten einer Welt, die sich ständig verändert.

Geschichten ohne festen Anfang oder Ende.

Aber nichts bleibt einfarbig monoton.

Die Farben wechseln manchmal stündlich und hinterlassen ihre Eindrücke.

Eine Welt ohne Farben ist nicht denkbar,

und,

es gibt immer soviele Meinungen wie Farben.

Farben sind nicht nur visuelle Eindrücke, sondern Ausdrucksformen von Vielfalt, Wandel, Perspektive.

Und Meinungen funktionieren ähnlich – sie entstehen, verändern sich, überlagern einander, leuchten auf, verblassen wieder.

Vielleicht ist das Chaos der Farben kein Durcheinander,
sondern ein lebendiges Miteinander,
ein Beweis dafür, dass Vielfalt
nicht das Problem ist,
sondern die Voraussetzung für Tiefe.

Das innere Theater

Es ist weniger ein Symbol für Identität oder Erinnerung, eher ein chaotisches,

ein fast träumendes Umfeld.

In unserer Wahrnehmung dominieren Fragmente von Natur, Stadt oder innerer Welt.

Manchmal sind es Fenster zu anderen Realitäten,

Pflanzen die zu Gedanken anregen,

Gebäude die uns ein Zuhause sind.

Die Weltbühne erinnert an Szenen aus einem inneren Theater,

einem Ort, der gleichzeitig gebaut und zerlegt wird,

wo ein Versuch statt findet, Ordnung in das Unfassbare zu bringen.

Es könnte auch eine Metapher für das Selbst sein.

Das Haus als Ich, umgeben von Eindrücken, Erwartungen, Erinnerungen, die sich nicht fügen wollen.

Die kleine Bühne gegenüber der grossen Bühne der Welt, die im Prinzip auch nur die einfach durch Macht und Gerlegenheit erweiterte kleine Bühne aufs Große ist.

Macht ist nur eine bloße Skalierung von Rollen, kein qualitativer Unterschied.

Jeder Mensch spielt, lebt, ringt – ob im Wohnzimmer oder im Parlament.

Die das Sagen Habende sind genau so Menschen, mit ihren individuell gelebten Rollen.

Der Unterschied besteht nur darin, dass sie dies ausleben.

Wenn gegensätzliche Rollen aufeinandertreffen, entsteht Reibung.

Aber auch Energie.

Vielleicht ist genau dieses Knirschen der Ort, an dem Veränderung beginnt – nicht durch Harmonie, sondern durch ehrliche Konfrontation.

Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir deswegen mit dem eigenen Inneren anfangen

Dann könnte aus dem inneren Theater eine entsprechende Realität werden.

Die Welt ist zu schön um sie nur als Bühne zu betrachten.

Wir sind alle Teil des “living theatre” oder ” living circus”.

Die Welt ist nicht Kulisse, sondern Mitspielerin.

Wir sind nicht Zuschauer, sondern Akteure.

Und das Leben ist nicht nur Drama, sondern auch Spiel, Tanz, Chaos, Schönheit.

Die Allegorie mangelnder Menschlichkeit

Eine Allegorie umschreibt abstrakte, also schwer fassbare Begriffe, wie Gerechtigkeit, Freiheit, Tod oder Liebe und versucht  sie dadurch verständlicher zu machen. 

Bildlich, sprachlich als Metapher.

Leider erlebt man in der sich entfremdenden digitalisierten Gesellschaft oft rohe Emotionen und zwischenmenschliche Dynamiken.

Grob, agressiv, kraftvoll ein Spannungsfeld zwischen Nähe und Individualität aufbauend.

Freude, Befreiung oder ekstatisch wirkende Momente, Rufe nach Aufmerksamkeit oder Akte der Selbstbehauptung.

Warme rote Herzen stehen für Mitgefühl, Barmherzigkeit, Solidarität, Liebe, Verletzlichkeit

Sie wirken wie emotionale Pole.

Im Gegensatz dazu die Kälte, das schwarze oder steinerne Herz, Unbarmherzigkeit, als ein Gegenüber, das weder berührt sein will noch berührbar ist.

Manche wirken als kämen sie aus aus einem brodelnden Zustand, gezeichnet von Konflikt, Leidenschaft oder Transformation.

Zu oft fehlt uns der Spiegel des Lebens, der die inneren und äusseren Zustände der Vorgänge in unserer Welt sichtbar machen könnte.

Die Allegorie des Seins im digitalen Zeitalter macht das Unsichtbare sichtbar: Liebe, Kälte, Nähe, Entfremdung . Uns ist nicht bewusst wie wenig Zeit wir oft haben, um feinfühlig zu sein.

Wir sind Beobachter geworden, nicht aus Desinteresse, sondern aus Überforderung.

Was wäre möglich:

Mitgefühl, Solidarität, Wärme.

Das Wiedergewinnen von Menschlichkeit statt Affronts.

Anstatt Verunsicherung seinen höheren Werten treu bleiben und nicht alles relativieren.

Ein verlorenes Vertrauen kann auch durch ein Lächeln oder oberflächliche Gesten nicht ersetzt werden.

Das wäre wie Zuckerbrot und Peitsche.

Herzen müssen erwärmt werden,

Eine Rückbesinnung auf das, was wichtig ist, wäre notwendig,

und das sind nicht die flüchtigen ökonomischen und monetären Werte, weder Macht, Rum und Ehre.

All das kann sich schnell in Rauch auflösen und die ersten werden die letzten sein.

Wer heute auf seinem Thron sitzt, kann morgen zum Bettler werden.

Wie sagt man doch im Volksmund: Der Hochmut kommt vor dem Fall.

Die Menschen müssen ihr Koordinatensystem neu einordnen.

Die Bilder sind käuflich.

Die Anthropologie des Digitalen

Wir leben in einer Welt, in der der Mensch nicht mehr der Mittelpunkt ist, sondern ein Knotenpunkt in einem gigantischen Netz, das er selbst geschaffen hat und das ihn nun überragt.

Und genau diese Verschiebung erzeugt existenzielle Spannungen.

Was früher Werkzeuge waren, sind heute unsichtbare Organe.

Der Chip, das Smartphone, die Cloud – sie sind Erweiterungen unseres Nervensystems geworden.

Wir senden und empfangen permanent Signale, oft ohne es bewusst zu merken.

Selbst in der Wildnis bleibt der Datenfluss bestehen.

Der Mensch ist nicht mehr offline, sondern nur noch anders verbunden.

Der Mensch sucht nach Identitä im Datenozean, während die Systeme, die ihn umgeben, ihn in Daten zerlegen.

  • Wir wollen einzigartig sein.
  • Die Systeme wollen uns kategorisieren.
  • Wir wollen frei sein.
  • Die Systeme wollen vorhersagen.
  • Wir wollen uns selbst verstehen.
  • Die Systeme verstehen uns oft besser als wir uns selbst.

Diese Spannung ist nicht nur technisch, sondern zutiefst philosophisch.

Für was und wozu dient die Überwachung, zur Kontrolle, zum Geld verdienen, für einen digitalen Neokapitalismus in dem alles nur für die Wissenden erkennbar, für andere verschleiert wird.

Dass Kameras, Sensoren, Apps und Plattformen Daten sammeln, ist längst kein Geheimnis mehr.

Aber die meisten Menschen verstehen die Mechanismen nicht – und genau das macht sie verletzlich.

Nicht aus Dummheit, sondern weil niemand ihnen je erklärt hat, wie diese Welt funktioniert.

Es gibt kein Schulfach „Digitale Ethik“. Dabei wäre es heute fast wichtiger als Mathematik oder Physik.

Wir schaffen künstliche Welten, künstliche Identitäten, Avatare.

Auf einmal gibt es neben der Wahrheit zur scheinbaren Wahrheit mutierte Unwahrheiten, die der Mainstream durch hundertfaches Wiederholen der diese hervorbringenden, dann tatsächlich als Wahrheit annimmt.

Programme können heute Leben simulieren, Stimmen nachbilden, Gesichter generieren, Geschichten erfinden.

Die Grenze zwischen Realität und Konstruktion wird porös.

Und wer nicht gelernt hat, kritisch zu denken, wird leicht zum Konsumenten einer künstlichen Wirklichkeit, die andere für ihn formen.

Der Alltag ist die Datenquelle.

Ein Rückzug ist nur möglich wenn es keine Energiequelle mehr gibt, was unwahrscheinlich ist.

Ein Rückzug ins Innere wäre eine Kapitulation.

Vielleicht ist die neue Form von Freiheit nicht die Flucht aus dem Netz, sondern die Fähigkeit, sich selbst darin nicht zu verlieren.

Datenhighway

Bewegung versus Stillstand, Menschlichkeit versus System, Klarheit versus Fragmentierung.

Die eigene Individualität gegen abstrakte Digitalisierungen.

Es sind Unmengen an Datenflüssen, die über Kabel oder WLAN, BlueTooth laufen, eigentlich für den einzelnen Menschen mengenmässig nicht fassbar.

Der Chip ist zum unsichtbaren Organ geworden. Selbst im tiefsten Dschungel, fern jeder Zivilisation, flackert der Austausch weiter – getragen von Satelliten, die den Himmel vermessen.

Man sollte über das Menschsein im Zeitalter der totalen Vernetzung nachdenken..

Der Chip ist zum unsichtbaren Organ geworden. Selbst im tiefsten Dschungel, fern jeder Zivilisation, flackert der Austausch weiter – getragen von Satelliten, die den Himmel vermessen.

Der Mensch steht nicht mehr im Zentrum, sondern inmitten eines globalen Datenökosystems.

Unzählige Überwachungskameras erfassen Daten und wer weiss wie es funktioniert kann all dies sammeln, überwachen, sich Vorteile verschaffen oder Geld damit verdienen, in dem die Daten verkauft werden.

Die Spannung entsteht genau zwischen dem Bedürfnis nach Identität und der Übermacht technischer Systeme, die alles verbinden, alles messen, alles speichern.

Selbst Orte, die früher als „außerhalb der Welt“ galten, sind heute Teil des Netzes. Der Mensch bleibt körperlich begrenzt, aber seine Datenströme sind grenzenlos.

Der Einzelne, der sich nicht professionell mit all dem beschäftigt steht naiv vor dem was ihm serviert wird und glaubt den immer wiederkehrenden News die die Mainstreams füttern.

Programme können alles zusammensetzen und eine künstliche Variante eines Seins und Leben erschaffen, und auf Wunsch kann die entsprechende AI fast alles gestalten.

Die Frage ist wie wir mit dem ganzen Datenstream umgehen.

Es gibt kein Unterrichtsfach Ethik der Digitalisierung und Umgang mit all den neuen Medien, niemand erklärt was mit diesen riesigen Datenmengen passiert, wo sie in welcher Cloud in welchen gigantischen Computer alles gespeichert werden und wer dies kontrolliert.

Man kann nicht sagen ” Alles geht an mir vorbei, es trifft mich nicht”.

Spätestens wenn man beim Einkaufen oder Tanken, in einem Restaurant nur noch mit Karte oder Mobiltelefon bezahlen kann, weiss man alles über einem, und, es trifft einem, ob man will oder nicht.

Der Datenhighway mutierte zum weit verzweigten Datennetz, dessen Zugang mit Pins und Tans, Codes und cards ermöglicht wird, und auch diese werden registriert.

Ruhe kann man nur in sich finden, sich auf seinen Mikrokosmos konzentrieren und auf die Natur, die sich nicht digitalisieren kann, nur wir Menschen.